Projektvorstellung: Midänand – Gemeinsam Kirche gestalten

Ausgangslage: Herausforderungen und Chancen in der Kirchenregion Prättigau

Die evangelisch-reformierten Kirchgemeinden im Prättigau stehen vor tiefgreifenden Veränderungen. Sinkende Mitgliederzahlen, ein spürbarer Mangel an Pfarrpersonen, vakante Vorstandsämter und ein gesellschaftlicher Wertewandel stellen die Gemeinden vor grosse Herausforderungen. Die traditionellen Strukturen geraten zunehmend an ihre Grenzen, was die Kontinuität und Qualität kirchlicher Arbeit gefährdet. Gleichzeitig wächst das Bedürfnis nach neuen Formen von Gemeinschaft, Sinnsuche und Mitgestaltung. Viele Menschen wünschen sich heute weniger klassische Angebote, sondern Orte echter Begegnung und Beteiligung.

Bedarfserhebung: Was die Analyse zeigte
Im Zentrum der Bedarfserhebung stand die Frage, wie die Kirche im Prättigau auch künftig ihre Aufgaben verantwortungsvoll erfüllen kann. Die Analyse umfasste Workshops, Umfragen und Gespräche mit allen Anspruchsgruppen – von Gemeindemitgliedern über kirchliche Mitarbeitende bis zu den Leitungsorganen. Die wichtigsten Erkenntnisse:

  1. Personelle Engpässe: Viele Pfarrstellen sind vakant oder nur befristet besetzt. Auch in den Vorständen fehlen oft Nachfolgerinnen und Nachfolger, was die Belastung Einzelner erhöht.
  2. Strukturelle Grenzen: Die bestehenden Strukturen sind langfristig nicht mehr tragfähig. Es fehlt an Flexibilität und an einer Strategie für die Nutzung leerstehender Pfarrhäuser.
  3. Bedürfnis nach Gemeinschaft: Die Menschen wünschen sich mehr echte Begegnung, Beteiligung und innovative Angebote, die über klassische Gottesdienste hinausgehen.
  4. Nachwuchsförderung: Die Bekanntheit kirchlicher Berufe ist gering, Ausbildungsstellen benötigen grössere Kirchgemeinden.
  5. Finanzielle Herausforderungen: Steuersenkungen und Kirchenaustritte verschärfen die finanzielle Lage.

Die Bedarfserhebung zeigte klar: Es braucht neue, gemeinschaftsorientierte Strukturen und Angebote, um die Zukunft der Kirche im Prättigau zu sichern.

Vision und Zielsetzungen des Projekts Midänand
Das Projekt „Midänand“ verfolgt eine klare Vision: Die Kirche im Prättigau soll als lebendige, vielfältige und gemeinschaftsorientierte Institution erhalten und gestärkt werden. Im Zentrum steht die Förderung der reformierten Tradition und die Stärkung der Gemeinschaft – sowohl innerhalb der einzelnen Gemeinden als auch regionenübergreifend.

Leitgedanken und Ziele

  • Gemeinschaft stärken: Die Mitglieder sollen sich getragen fühlen und motiviert sein, sich aktiv einzubringen.
  • Innovative Angebote: Neben dem Grundauftrag der Kirche werden neue Formen kirchlichen Lebens und innovative Angebote entwickelt.
  • Partizipation fördern: Das Projekt setzt auf einen partizipativen Ansatz, bei dem alle Anspruchsgruppen aktiv einbezogen werden.
  • Nachhaltige Strukturen: Es werden tragfähige Modelle für die regionale Zusammenarbeit erarbeitet, die auch für andere Regionen als Vorbild dienen können.
  • Kirche als gesellschaftliches Gegenüber: Die Kirche soll als relevanter Akteur in gesellschaftlichen Fragen wahrgenommen werden und Räume für Begegnung, Hoffnung und Zusammenhalt schaffen.

Unterstützung der Landeskirche GR
Der Impuls für das Projekt „Midänand“ kam aus den Kirchgemeinden Furna, Fideris und Pany, die eine vertiefte Zusammenarbeit anregten. Die anhaltenden Schwierigkeiten bei der Besetzung von Pfarrstellen und Vorständen machten deutlich, dass neue, ganzheitliche Lösungsansätze notwendig sind. Auf Empfehlung der Evangelisch-reformierten Landeskirche Graubünden wurde eine Spurgruppe gebildet, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern der Präsidien. Dieses Kernteam, unterstützt durch externe Beratung, entwickelte das Projektkonzept und brachte es zur Antragsreife. Der Vorstand der Kirchenregion Prättigau reichte schliesslich den Antrag zur Genehmigung und Weiterleitung an die Landeskirche ein. Damit wurde der Grundstein für ein gemeinsames, professionell begleitetes Entwicklungsprojekt gelegt.

Beteiligung und Begleitung
Das Projekt wird von Jürg Kessler (RaetiConsulting GmbH) geleitet und von einer Begleitperson der Landeskirche unterstützt. Die Präsidien der beteiligten Kirchgemeinden sind aktiv eingebunden, ein Ausschuss begleitet die strategische Entwicklung. Die Finanzierung ist durch einen klar definierten Kostenrahmen gesichert.

Der Ansatz: Community Building als Fundament
„Midänand“ basiert auf dem Ansatz des Community Buildings, der speziell auf die kirchlichen Verhältnisse angepasst wurde. Im Mittelpunkt steht nicht die Kirche als Institution, sondern die Gemeinschaft der Menschen. Die Methodik setzt auf partizipative Prozesse, transparente Kommunikation und die Berücksichtigung unterschiedlicher Erwartungen. Ziel ist es, gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die sowohl die Bedürfnisse der Mitglieder als auch die Anforderungen der kirchlichen Leitung und der Landeskirche berücksichtigen.

Projektstruktur: Drei Phasen für nachhaltige Entwicklung
Das Projekt gliedert sich in drei aufeinander aufbauende Module:

  1. Analyse: Erfassung der Ausgangslage, Klärung der Rahmenbedingungen, Auswertung der Bedürfnisse und Erwartungen aller Beteiligten. Hier werden auch Erfahrungen aus bisherigen Kooperationen ausgewertet und Grobkonzepte für die Zusammenarbeit entwickelt.
  2. Entwicklung: Definition der Vision und Mission, Positionierung der Kirche in der Gesellschaft, Entwicklung innovativer Angebote und Strukturen. In Workshops und Fokusgruppen werden kreative Lösungen erarbeitet und zur Vernehmlassung gestellt.
  3. Umsetzungsvorbereitung: Erstellung einer mehrjährigen Planung, Definition der notwendigen Ressourcen und Verantwortlichkeiten, Entwicklung von Kriterien zur Erfolgsmessung und Monitoring.

Ein Prozess, der alle betrifft
„Midänand“ versteht sich nicht als fertiges Konzept, sondern als gemeinsamer Lernprozess. Externe Begleitung, Umfragen, Informationsveranstaltungen und Gespräche sorgen dafür, dass möglichst viele Stimmen gehört werden. Die Zukunft der Kirche im Prättigau soll gemeinsam gestaltet werden – offen, kritisch und hoffnungsvoll.

Ausblick: Kirche, die bewegt
Das Projekt „Midänand“ ist ein hoffnungsvolles Zeichen für die Zukunft der Kirche im Prättigau. Es lädt dazu ein, Kirche neu zu denken, mutig zu handeln und gemeinsam Wege zu finden, wie kirchliches Leben auch in veränderten Zeiten relevant, glaubwürdig und lebendig bleibt. Die Kirche bewegt nur etwas, wenn sie sich selbst bewegt – und „Midänand“ ist der erste Schritt auf diesem Weg.

Seien auch Sie mit dabei als Weggefährte!